Rüde oder Hündin?
Antworten und Tipps von Fachpersonen

Da dies eine häufig gestellte Frage an uns Züchter ist, möchten wir hier unsere Erfahrungen und Meinungen den Beagleinteressenten zur Verfügung stellen. Es soll Ihnen bei Ihrer Entscheidung helfen Punkte zu bedenken, die Sie vielleicht nicht in Betracht gezogen haben. Dieser Text ist in Zusammenarbeit mit Züchtern und der Zuchtwartin (Kleintierärztin) des Beagleclubs entstanden. Auch wenn andere Rassen nicht komplett unterschiedlich sind, so sprechen wir hier vor allem vom und für den Beagle.

Häufig wird uns die Frage gestellt, ob Rüde und Hündin gleich anhänglich sind oder ob es Vor- und Nachteile gibt zwischen den beiden Geschlechtern.

Rüden
Viele Beaglerüden erleben wir als sehr gemütlich, anhänglich und grosszügig, ausser natürlich, wenn es ums geliebte Fressen geht, oder aber eine läufige Hündin in der Nähe ist. Gerade in diesen Punkten kann erzieherisch sehr viel erreicht werden, so dass sich beim Beaglerüden keine extreme Dominanz entwickelt. Rüden, die sich auch mal unterordnen können, werden leichter durchs Leben gehen als Unnachgiebige. Rüden, die einen extremen Sexualtrieb besitzen, können dem Halter sicherlich manchmal zur Last fallen und sich unangenehm verhalten. Vieles kann man aber mit guter Erziehung und Ablenkung gut überbrücken. Homöopathische Arzneien können eine Hilfe sein. Gut ausgelastete Tiere, mit denen regelmässig gearbeitet wird, sind im Allgemeinen ausgeglichener.

Hündin
Hündinnen sind meistens vor der Läufigkeit zickig und aufgedreht. Während der ca. dreiwöchigen Läufigkeit, sind die Halter gefordert, die Hundedame an der Leine zu führen und nie aus den Augen zu lassen. Ungewollte Deckakte betreffen immer die Halter der Hündinnen, ebenfalls die beim Tierarzt anfallenden Kosten. Psychische Auswirkungen oder Probleme in der Gebärmutter beim Abspritzen des Nachwuchses sind nicht selten. Also, lieber gleich Aufpassen. Die Blutung ist von Hündin zu Hündin unterschiedlich stark. Teilweise wird es selber wegleckt, oder es kann ein ‚Hösli’ mit entsprechenden Einlage angezogen werden.
Eine Hündin bleibt, vom Körperbau her, immer etwas zierlicher als ein Rüde. (Ist auch abhängig von den Elterntieren). Der Körpergewichtsunterschied zwischen Rüde und Hündin variiert ca. zwischen 3 - 5 kg. Eine interessante Beschreibung dazu finden Sie auch im Buch vom Züchter und Biologen Hans Räber: Brevier neuzeitlicher Hundezucht; 5. Auflage, Seite 88 über Hündin oder Rüde.

Haltung
Der Beagle ist sehr menschenbezogen, darum ist er auch nicht geeignet für die Zwingerhaltung. Da er ein Meutehund ist, lebt er gerne mit Artgenossen in der Rudelhaltung. Ein Rudel entsteht ab zwei Tieren. Aber der soziale Kontakt zum Menschen bleibt im Vordergrund.

Kastration ja oder nein

Zuerst zur Begriffserklärung:

Die Kastration: Bei einer Kastration werden die Keimdrüsen operativ entfernt, beim männlichen Tier die Hoden, beim weiblichen die Eierstöcke. Durch diesen Eingriff wird die Produktion von Geschlechtshormonen verhindert und damit das Sexualverhalten komplett unterbunden.

Die Sterilisation: Im Gegensatz zur Kastration werden bei der Sterilisation die Keimdrüsen belassen und nur die Keimwege unterbunden, beim männlichen Tier die Samenleiter, beim weiblichen die Eileiter. Die Produktion von Geschlechtshormonen und damit das Sexualverhalten bleibt in vollem Umfang erhalten.

In der Tiermedizin wird ausschließlich die Kastration durchgeführt, da besonders bei Hündinnen und Kätzinnen nach Sterilisation Spätfolgen auftreten können, die eine erneute Operation erforderlich machen. Außerdem geht es bei diesem Eingriff ja gerade um das Ausschalten des Fortpflanzungsverhaltens.

Wer sich überlegt, ob er seinen Rüden oder seine Hündin kastrieren lassen möchte, sollte folgende Punkte beachten:

Rüde: Beim Rüden kann eine Kastration medizinisch nötig sein, da er zum Beispiel Probleme mit der Prostata hat. Wird ein Rüde kastriert, so bildet sich die Prostata in der Grösse zurück und ist zudem nicht mehr so anfällig für Infektionen. In der Regel verschwindet auch der eher lästige, eitrige Ausfluss aus dem Penis.
Als Nachteil muss erwähnt werden, dass kastrierte Rüden sehr oft von unkastrierten Rüden bestiegen werden, da sie nach der Operation auf andere Hunde fast wie eine attraktive Hündin wirken können.

Hündinnen  die nicht zur Zucht eingesetzt werden, kastriert man häufig. Die Vorteile einer Kastration sind keine Läufigkeit alle sechs Monate und weniger Probleme an Gesäuge und Gebärmutter im Alter. Als Nachteil kann nach der Kastration bei einzelnen Hündinnen eine undichte Harnblase auftreten.

Wann soll eine Hund kastriert werden
Für eine Kastration vor der ersten Läufigkeit sprechen, gemäss Studien, eine kleinere Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer undichten Blase und/oder Gesäugetumoren. Allerdings gibt es Gründe um zwingend eine erste Läufigkeit abzuwarten. Wenn die Hündin in den ersten Monaten unter einer Junghunde-Scheidenentzündung leiden sollte, oder wenn sie vom Verhalten und Körperbau her noch ungenügend entwickelt ist. Dies sollte im Einzelfall unbedingt mit Ihrem Tierarzt besprochen werden.

Erfolgt eine Kastration am sehr jungen Tier, kann es zu einem nachträglichen Wachstumsschub kommen, ähnlich wie es bei Eunuchen beobachtet wurde. Allgemein wird nach einer Kastration eine Tendenz zu einem etwas weicheren Fell gesehen, beim Beagle kann man dies allerdings eher ertasten als sehen. Ganz wichtig zu wissen ist, dass der kastrierte Hund (Rüde und Hündin) nicht mehr so viel Futter benötigt wie vor der Operation. Dies hat mit den nicht mehr vorhandenen Geschlechtshormonen zu tun. Am einfachsten reduziert man die Tagesration gleich nach der Kastration um 30 bis 50%. Natürlich muss die Gewichtsentwicklung beobachtet und entsprechend die Futtermenge angepasst werden.

Wenn sie jetzt immer noch unsicher sind, so sprechen sie doch mit einem erfahrenen Züchter oder mit unserer Zuchtwartin. Telefonnummern und Mailadressen finden sie auf der Beagleclub Homepage. Vergessen sie aber nicht, auch auf Sympathie und Bauchgefühl zu hören. Vielleicht werden sie selber von einem Welpen ausgesucht?

Was spricht für eine Kastration, was dagegen?
Ein Übersicht über Vor- und Nachteile

Hündin Vorteile

  • kein unerwünschter Nachwuchs
  • Gefahr, an Mammatumoren zu erkranken , ist kleiner*
  • keine Läufigkeiten mit Leinenzwang und Hygieneproblemen
  • hormonell bedingte Auseinandersetzungen mit anderen Hündinnen enfallen*
  • Scheinträchtigkeiten sind ausgeschlossen
  • Betätigung im Hundesport oder bei tiergeschützter Therapie sind das ganze Jahr über möglich; keine Pausen wegen der Läufigkeit
  • Diensthunde, Blindenführ-und Assistenzhunde sind nicht abgelenkt durch Rivalitäten

Hündin Nachteile

  • Operation lässt sich nicht rückgängig machen
  • relativ grosses Risiko, inkontinent zu werden( Tröpfeln von Urin), vor allem bei grossen,schweren Rassen *
  • drohende Gewichtszunahme bei gleich bleibender Futtermenge*
  • je nach Rasse sind massive Veränderungen des Fells möglich bis wahrscheinlich(Setter, Langhaardackel,Spaniel)
  • generelles Risiko,wie es bei jeder Operation/Narkose bestehet (sehr gering)

 Rüde Vorteile

  • keine Produktion von unerwünschtem Nachwuchs
  • kleineres Risiko, an Zysten,Tumoren der Prostata zu erkranken*
  • weniger ausgeprägtes Sexualverhalten,beispielsweise verstärktes Markieren *
  • keine Ablenkung bei der Arbeit durch Rivalität *
  • Agressionstendenzen durch geringeren Anteil an Testosteron reduziert;weniger Kommentkämpfe (Reduktion ist rassenspezifisch mehr oder weniger ausgeprägt)
  • Kein Streunen,nächtliches Heulen,schlechtes Fressen weil in der Umgebung eine Hündin läufig ist (enorme Reichweite!)
  • Kein Besteigen von anderen Hunden und/oder Menschen*

Rüde Nachteile

  • Operation lässt sich nicht rückgängig machen
  • Risiko,inkontinent zu werden (Tröpfeln von Urin);tritt bei einigen grossen,schweren Rassen verstärkt auf*
  • Drohende Gewichtszunahme bei gleich bleibender Futtermenge*
  • Häufigeres Bedrängtwerden (Aufsteigen) durch intakte Rüden
  • Verändertes Fell bei gewissen Rassen (Risiko massiv kleiner als bei Hündinnen)
  • Generelles Risiko,wie es bei jeder Operation/Narkose besteht (sehr gering)

Beide Geschlechter

  • zeigen sich später erwachsen*
  • bleiben tendenziell kindlicher,verspielter*/**
  • Grössenwachstum nimmt zu;werden um Zentimeter grösser als sonst*
  • Kastration ist keine Erziehungshilfe!! Bestehende Probleme sind nach dem Eingriff nicht automatisch gelöst.Erziehung,Pubertät,Flegelalter verlaufen nicht anders als bei intakten Hunden.Aber: Es finden keine Auseinandersetzungen statt, die durch hormonelles Geschehen bedingt sind.*Und: Kastraten passen sich- vergleichbar mit den natürlichen unterdrückten Wildhunden-tendenziell besser dem Rudel an.*

*  Prognosen  besser bei der Frühkastration
** Blindenführhündinnen werden nach der ersten Läufigkeit kastriert.